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Dragon Hut

Warum Loslassen manchmal der beste Bauplan ist
17. August 2026 durch
Dragon Hut
naturwandel
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Manchmal beginnt ein Projekt nicht mit einem Auftrag, sondern mit einem Gespräch. Mit jemandem, der eine Vision hat und dem Moment, in dem du merkst: das kann ich bauen.


Die Geburt des Dragon Hut


Eines Tages wurde ich in die Gedankengänge/Zukunftsvisionen des Partners unserer Freundin eingeweiht. Beide planten ständig neue Sachen, um den Ort zu transformieren. Es lag in ihrer Natur und ist ihre Lebensaufgabe, sich diesem Ort, diesem Projekt so zu widmen. Wir wussten um unsere Fähigkeiten, also brainstormten wir mit Händen und Füßen über ein Projekt welches später ein sagen wir mal "Bruch" hinterließ.


Es ging um ein neues Gebäude. Ein Tiny House, um genau zu sein. 

Da ich durch mein Studium unter anderem mit Architekturprogrammen vertraut war, konnten wir mit einigen Referenzen aus dem Internet etwas für uns Stimmiges zusammentragen, was für die weitere Planung am Ende die Grundlage bildete. Es gab einen Laptop – ha, wie sollte es anders sein – natürlich mit einem mir vertrauten Programm, nämlich Sketchup, und so erstellte ich in regelmäßiger Absprache den Prototyp für das sogenannte „Dragon Hut“. Das war der Start unserer Reise in dieses besondere Projekt.




Die nächsten Schritte


Das Besondere an so einem Projekt ist, die Materialbeschaffung. Es ist eine halbe Weltreise. Durch die Abgelegenheit – nämlich der Fakt, dass wir hier über eine Insel sprechen, die weit draußen auf dem Meer liegt. Da bist du auf gutes Equipment und die eigenwilligen Gegebenheiten angewiesen. Diese ganzen Faktoren musst du mit berücksichtigen und einkalkulieren. In einem kleineren Maßstab war ich ja schon sehr vertraut mit solchen Situationen aus der Bauwagenzeit sowie Festivalprojekten. Unser Freund, der die Umstände vor Ort seit Jahren genaustens kannte, wusste selbstverständlich, wie man damit umzugehen hat. Da konnte ich also einfach nur staunen und dazulernen, wie andersartig Menschen in ihren Kreisen miteinander umgehen. Eben: andere Länder, andere Sitten.

Allein die reine Fahrtzeit nur mit der Fähre hin und zurück dauerte 5 Stunden. Es fuhr auch nicht ständig eine Fähre hin und her. Also warst du auf die Zeitfenster angewiesen, in denen wir unsere Besorgungen erledigen konnten. Auch da überlegst du dir ganz genau, was du brauchst, wo das ist und wie lange es dauert. Ohne Einheimische wie unsere Freunde bist du aufgeschmissen.

Es gab eine ganz grobe Kalkulation plus die Tatsache, dass nicht immer bei einem Sägewerk automatisch bestimmte Hölzer in verschiedenen Dicken oder Längen verfügbar sind. Logisch. Aber wir hatten Glück und luden bei der ersten Tour den Van so voll wie möglich mit Bauholz für die erste Bauphase. 

Die nächsten Tage verbrachten wir mit dem Ausladen, um das Bauholz zur Baustelle zu tragen. Nur dieser Fakt allein hat mir in der Summe nochmals auf eine andere Art und Weise gezeigt, wie wichtig es ist, den Fokus zu halten.



Das Fundament


Für das Fundament habe ich mir damals etwas Besonderes ausgedacht. Wir wussten schon zuvor, dass wir über ein Tiny House sprechen, welches auf Säulen/Stelzen stehen wird. Also war mein Vorschlag, Steine als Fundamentträger zu platzieren, ein Loch zu bohren (möglichst mittig) um eine Aufnahme zu erzeugen, welche in der Summe die gesamte Konstruktion trägt.


Wo raus und wie Stahlträger erzeugen?

Es gab einen Schrott-/Müllplatz, den wir gelegentlich besuchten. Dieser war für uns neben dem ganzen anderen Abfällen wie ein Baumarkt: Fenster, Balken (bekamen ein drittes Leben), Hölzer, Metall, diverse Utensilien technische Geräte etc. Wir nahmen also Altmetall in Form von Baustahlstangen und schweißten diese auf 8-mm-Stahlplatten (natürlich mit Solarenergie). Somit waren unsere Fundamentträger/Metallaufnahmen erfolgreich geboren.


Das Schöne war ebenfalls, dass es bereits große Steine in der Umgebung gab. Diese allerdings von A nach B zu bekommen - erst recht mit unterschiedlichen Höhenmetern und über Stock und Stein - war dann noch mal ein Extrakapitel, bei dem wir erneut improvisieren mussten. Die Lösung hierfür war ein Europaletten - Schlitten mit Spanngurten. Diesen konnten wir an den Van binden und somit die Steine zumindest für eine relativ große Distanz vorerst bewegen. Die letzten Meter (welche ohne Auto nicht erreichbar waren) hebelten bzw. rollten wir die Steine teilweise zu dritt an ihre Endposition.

 


Die Sprache der Natur


Wisst ihr, ich habe mich wie immer vor dem Start des eigentlichen Bauens intensiv mit dem Standort verbunden. Es war friedlich, und ich sah vor meinem geistigen Auge eine große Tafel mit einigen Menschen, die feierten. Kinder haben gelacht. Es war fröhlich, und es wurde getanzt. Das Potenzial war genau richtig.

Doch dieses Gefühl beschränkte sich nicht auf die Atmosphäre. Es lag auch im Boden selbst. Verstreut in der Umgebung, als hätten sie nur darauf gewartet, gesehen zu werden. Also wusste ich genau, welche Steine in Frage kommen würden. Das war kein Zufall.

Die ursprüngliche Idee des Fundaments war aus dem Japanischen geboren, wo ich wusste, wie man dort mit Steinen umgeht. Dieses Wissen, gepaart mit meiner Intuition, war die Grundlage für alles, was später kommen würde.

Dass Steine ein Gesicht haben und ihre Positionierung nicht wahllos geschieht, muss ich glaube ich nicht erwähnen. Die Platzierung musste einfach stimmen, sowie die ebenfalls wichtigen jeweiligen Eigenarten im Stein richtig zu lesen. Also auch hier wieder das individuelle Potenzial erkennen. Ich hielt lange inne an dem Ort und spazierte in der Umgebung hin und her. Alles war da. Die Steine zeigten sich im Buschwerk teilweise etwas versteckt. Es hat wirklich gerade bei dem letzten, dem größten Stein eine Menge Willenskraft gekostet, diesen zu bewegen. Zum Glück war er nur ein paar Meter entfernt, und ein starker Helfer kam zur rechten Zeit ins Feld.



Die Natur entscheidet


Alles war da, das Fundament war von Erfolg gekrönt. Selbst das Nivellieren hat nach einigen Stunden gut funktioniert. Etwas Kürzen, etwas Feinjustierung hier und da. Wir hatten eine tolle Zeit und machten uns relativ zügig an die Holzkonstruktion.

Doch dann gab es eine besondere Nacht. Diese Nacht war so windig, dass ein Baum auf einen Caravan, in dem Gäste schliefen, gefallen ist. Zum Glück ist Ihnen nicht passiert. Noch am selben Tag musste der Baum so schnell wie möglich von dem Caravan entfernt werden. Denn er hat ein Loch hinterlassen und die Außenhaut beschädigt Beim zurückschneiden des Baumes, ist unser Freund von der Leiter gefallen. Er hat sich beim Aufkommen den Hacken gebrochen. Also konnte er nun erstmal für mehrere Wochen nicht weiterarbeiten. Ich machte dennoch weiter und war natürlich geschockt.

Das war im wahrsten Sinne des Wortes schon der Bruch in dieser Dynamik. Etwas ist in dieser Nacht passiert.

Die Gäste reisten ab. Auch sie standen verständlicherweise unter einem kleinen Schock. Denn um ein Haar hätte der Baum sie einfach…

Die Tage und Wochen vergingen. Dragon Hut wurde in meinem Tempo weitergebaut. Hier und da hatten wir erneute Gäste, freiwillige Helfer. Allmählich heilte der Bruch. Ich war sehr motiviert. Erst recht, weil es für uns durch das Tiny House eine Perspektive gab, dort tatsächlich zu leben. Es wurde uns auf alle Fälle angeboten -  was ein riesen Geschenk war. Irgendwie kippte die Gesamtsituation. Irgendwie merkte ich, dass auch hier, so schön wie alles war, die Konstellation nicht stimmte. Das Geld ging uns langsam aus. Wieder bemerkte ich ein gewohntes Muster. Das Verhältnis von der Definition von Geben und Nehmen. Wenn Koabhängigkeiten und Grenzen dann doch wieder überschritten werden, wenn man in ein bereits existierendes Projekt steckt, wo es viel Potenzial gibt, aber die Grenzen verschwimmen oder es vielleicht auch aus Unsicherheit unausgesprochene Erwartungen gibt – dann kippt es einfach. Das Beste, was wir hätten tun können, war uns zu distanzieren. Also gingen wir getrennte Wege, packten alles wieder in den Van und wohnten an unterschiedlichen Orten bei neu dazugekommenen Freunden auf der Insel.

Das war keine Flucht es war Integrität und Selbstschutz und meine Intuition hat mich nicht enttäuscht. 

Ich begleitete Dragon Hut noch bis zu diesen unten gezeigten Bildern. Dann war es Zeit loszulassen. Zelte abbrechen, um sie woanders aufzuschlagen. Ich dachte mir auch da wieder mit einem Lächeln: Wann hört wohl diese Rastlosigkeit jemals auf?



Was ich mitgenommen habe


Dragon Hut war eines der lehrreichsten Projekte meiner bisherigen Laufbahn. Nicht trotz des Bruches, sondern genau wegen ihm.

Vertrauen ersetzt keine Vereinbarung. 

Egal wie nah man sich ist, egal wie viel Herzblut fließt - klare, sorgfältig durchgesprochene Rahmenbedingungen sind kein Misstrauen. Sie sind Respekt. Sich selbst gegenüber und dem anderen.

Ein Fundament trägt nur dann wirklich, wenn es von Anfang an stimmt.




    Danke für diese Erfahrung! 

 

 

 

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