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Das Wagenleben

Kein Ausstieg sondern mein Einstieg
14. Juli 2026 durch
Das Wagenleben
naturwandel
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"Nicht, weil ich aussteigen wollte.

Sondern weil ich gemerkt habe, dass es so nicht weitergeht."




Ausgangssituation


Dortmund.

Ich hatte eine Festanstellung als Bühnenbildassistent am Schauspielhaus.

Eigentlich etwas, worauf man hinarbeitet.

Und trotzdem war relativ schnell klar:

Das passt für mich nicht.

Von außen sah das alles stimmig aus.

Aber von innen eher nicht.


Ich hatte hohe laufende Kosten, Verantwortung und natürlich Verpflichtungen.

Hab funktioniert, meine Arbeit gemacht und das auch gut.

Aber unterm Strich ging die Rechnung nicht auf.

Zeit gegen Geld!?

Viel Energie rein, wenig zurück.

Und immer wieder diese leisen, aber klaren Fragen:

Ist das wirklich mein Leben? Wo bin ich hier gelandet?



Was nicht funktioniert hat


Ich hab lange gedacht, ich müsste das einfach besser hinbekommen.

Disziplinierter sein und einfach mehr durchziehen.

Aber genau das war der Punkt.

Ich hab mich immer weiter von meinem eigenen Rhythmus entfernt.

Das war kein plötzlicher Bruch.

Es war eher ein langsames Leerlaufen. 

Hinzu kam, dass mein Vater gestorben ist und mein Sohn konnte ich nicht mehr regelmäßig sehen. Ein wilde Mischung.

Dazu Dinge, die eher betäuben als wirklich helfen.

Irgendwann war ich einfach nichts mehr richtig da.

Und gleichzeitig dieses Wissen:

So geht es echt nicht weiter.



Wendepunkt


Die Idee, anders zu leben, war nicht neu.

Die war schon länger da.

Weniger abhängig sein. Weniger Fixkosten.

Näher an dem, was sich echt anfühlt. Naturnah und näher zu meinen Lieben.

Ich hab früher schon mit dem Gedanken gespielt, auf Wanderschaft zu gehen.

Draußen arbeiten und unterwegs sein.


Hat damals nicht stattgefunden, da ja mein Sohn kommen wollte.

Aber der Impuls war immer da.

Und irgendwann wurde er so stark, dass ich ihn nicht mehr ignorieren konnte.

Ich bin raus aus dem Alten. Ohne fertigen Plan.

Aber mit der klaren Entscheidung, es anders zu machen.



Eingriff / Umsetzung


Ich hab das Leben in einer Wohnung aufgegeben. Und mir zwei Bauwagen gekauft.

Die standen auf einer Wiese, relativ abgelegen, auf einem Hof.






Und da waren sie. Mit ihrem Potenzial.

Es gab kein Wasser aus dem Hahn.

Strom gab es, aber nicht immer stabil.

Unterbrechungen gehörten dazu.


Das heißt ganz konkret:

Wasser holen. Wäsche waschen mit der Hand.

Sich unter freiem Himmel duschen.

Feuer machen. Holz schleppen.

Das ganze Programm.


Nicht optional. Sondern normaler Alltag.

Später gab es dann zum Glück die Möglichkeit, unsere Wäsche mit einer Maschine zu waschen und ab und an ein Bad zu nehmen.

Wir waren insgesamt 6 Jahre unterwegs.

An 3 verschiedenen Orten.

Immer wieder neu anfangen.

Aufbauen. Abbauen.

Weiterziehen und loslassen.

Ich hatte lange kein eigenes Auto.

In der Anfangszeit ein Fahrrad.

Aber wir konnten uns gelegentlich ein Auto leihen.


Der nächste Einkauf war nicht mal eben um die Ecke.

Das heißt: Du überlegst dir genau, wann du fährst.

Beziehungsweise was du wirklich brauchst.

Nicht aus Ideologie. Sondern weil es nicht anders geht.


Versorgung, Alltag, Verantwortung.

Unter Bedingungen, die man sich nicht schönreden kann.


Also habe ich die Wagen Schritt für Schritt umgebaut.


Mit wenig Geld und viel Improvisation.

Sowie dem Anspruch, dass es am Ende funktioniert.

Parallel dazu: Arbeit auf dem Hof mit den Menschen.

Und genau da kamen die Themen, die du nicht umgehen kannst zurück.


Ich hab oft zu viel gegeben für zu wenig Ausgleich.

Hab Dinge laufen lassen, obwohl ich gemerkt habe,

dass sie nicht mehr stimmen.

Grenzen setzen musste ich lernen.

Konflikte nicht vermeiden.



Ergebnis


Und trotzdem, oder genau deswegen,

war das die erste Zeit seit langem, in der ich wieder bei mir war.

Es war meine Rettung!

Ich erinnere mich an diese einfachen Dinge:

Morgens die Tür vom Wagen aufmachen.

Kalte Luft. Stille. Barfuß draußen stehen.

Feuer machen. Wasser aufsetzen. Kein Knopf.

Keine Selbstverständlichkeit.


Du merkst sehr schnell, was wirklich gebraucht wird. 

Und was nicht.


Gleichzeitig war es nicht leicht.

Winter ist Winter. Sommer ist Sommer.

Wenn etwas nicht funktioniert, dann funktioniert es einfach nicht.

Und genau das sortiert dich.


Ich wurde ruhiger. Klarer. 

Und ehrlicher in dem, was ich tue und was nicht.



Erkenntnisse & Prinzipien


Diese Zeit war kein Ausstieg.




Das war mein Einstieg.


Und sie war deutlich nüchterner, als viele sich das vorstellen.

Ich hab verstanden, dass weniger nicht automatisch besser ist.

Und mehr auch nicht.

Beides kann komplett daneben gehen.


Ich habe oft erlebt, dass Dinge nicht funktionieren, obwohl die Idee gut ist.

Nicht, weil jemand unfähig ist, sondern weil nicht sauber hingeschaut wird.


Was ist eigentlich da? Was fehlt?

Und wo wird sich etwas schöngeredet?

Ich kenne das auch von mir selbst.

Zu viel gegeben. Zu lange gewartet.

Nicht klar entschieden. Bis es kippt.

Und genau das passiert überall.


In Projekten. In Räumen. Zwischen Menschen.

Nicht plötzlich sondern schleichend.

Bis nichts mehr richtig greift.


Was mir an all diesen Orten immer wieder aufgefallen ist:

Die Art, wie ein Ort gebaut ist, ist nie zufällig.

Sie ist ein Spiegel von den Menschen, die dort leben.

Von den Entscheidungen, die getroffen wurden.

Und oft auch von den Dingen, die nicht angeschaut wurden.


Wenn alles immer verfügbar ist,

wenn Wasser einfach fließt, Strom einfach da ist,

wenn Wege einmal gebaut wurden und nie wieder hinterfragt werden,

dann entsteht eine Selbstverständlichkeit, 

in der man aufhört, wirklich hinzuschauen.


Im Wagenleben ist das anders, denn nichts ist selbstverständlich.

Wenn etwas nicht funktioniert hat, musst ich hinschauen.

Nicht irgendwann sondern sofort.


Und genau dadurch ist etwas passiert:

Ich habe Zusammenhänge nicht nur gesehen,

sondern auch in ihren Relationen verstanden.

Wie viel Wasser brauche ich wirklich am Tag?

Was bedeutet Versorgung?

Wie viel Energie muss ich aufwenden?

Was wächst wann und wo?

Bis hin zum eigenen Anbau. Und so weiter...



Die Verbindung zur Umgebung wurde konkreter.

Direkter. Ehrlicher. Das ist im Grunde nichts Neues.

Viele alte Lehren sprechen davon.


Auch im Zen ist das klar:


Der Raum, in dem du lebst ist Ausdruck deines Zustands.

Und gleichzeitig formt er dich wieder zurück.


Das war für mich eine der wichtigsten Erkenntnisse überhaupt.

Und sie ist heute die Basis meiner Arbeit.


Heute ist genau das mein Ansatz: Nicht alles neu machen.

Und auch nichts schnell „fixen“. 

Sondern erst verstehen, wo es hakt und warum.

Und daraus etwas entwickeln, das wirklich funktioniert und bleibt.



Heute


Naturwandel ist genau daraus entstanden.

Nicht aus einer Idee sondern aus Erfahrung.

Ich arbeite nicht nur mit dem, was da ist.

Und auch nicht nur mit neuen Materialien.


Ich sehe, was vorhanden ist, erkenne das Potenzial und was fehlt.

Und bringe beides zusammen.

So, dass etwas entsteht, das nicht nur gut aussieht,

sondern funktioniert. Und trägt. 


Wenn du merkst, dass dein Vorhaben an einem Punkt ist,

an dem es mehr Klarheit braucht,

dann beginnt genau dort meine Arbeit.

Melde dich gern bei mir.


Oft reicht ein klarer Blick von außen,

damit sich Dinge wieder in Bewegung setzen.



ENDE GUT, ENDE GUT


Es war das was es war. Nicht mehr und nicht weniger.

Eine einmalige Zeit!!!

Aber nach dem Loslassen dieses Kapitels gab es immer eine Frage, welche nach wie vor sehr lebendig in mir ist:

Was könnte wohl heutzutage entstehen, wenn ich nochmal so ein Projekt begleiten würde?





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